Willkommen am Standort Erndtebrück

Luftbild Kaserne
Luftbild Kaserne (Quelle Luftbild/Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Erndtebrück am Rothaarsteig ist in den Südhang des Naturparks Rothaargebirge eingebettet. Wanderungen und Radtouren entlang der Eder von ihrer Quelle, durch das schöne Edertal sind ein ganz besonderes Ereignis für jeden Naturliebhaber. Neben dem Rothaarsteig gibt es in Erndtebrück über 200 km markierte Wanderwege durch reizvolle Landschaften. Kammwege ohne größere Auf- und Abstiege laden ebenso ein wie Strecken mit anspruchsvollen Steig-Eigenschaften. Neu angelegt in 2007, lässt auch der Wander-Höhepunkt "Mäanderweg" im Tal der Benfe keine Wünsche offen. Ein Wandererlebnis der ganz besonderen Art - vor allem für Naturliebhaber und Familien mit Kindern. Herrliche Buchen- und Fichtenwälder, eindrucksvolle Naturdenkmäler, Wiesen, Bäche und stille idyllische Weiher prägen die herbe Landschaft. Beim wandern in den grünen Tälern und auf den Höhen eröffnen sich in der reinen Bergluft und der wunderschönen Landschaft Wittgensteins herrliche Blicke. Bei uns finden Sie seltene Abgeschiedenheit und wirkliche Ruhe. Bauliche Vielfalt bestimmt Reiz und Charakter der einzelnen Dorfbilder: historische Gebäude mit verputztem Fachwerk, graue Schieferdächer und verträumte, malerische Fachwerkwinkel. Unser Heimatmuseum bietet einen Einblick in die Geschichte Erndtebrücks. Attraktive Radtouren mit vielen Rastplätzen und Einkehrmöglichkeiten ziehen den Radwanderer und Sportler gleichermaßen an. Neben anderen Einrichtungen stehen mehrere Tennisplätze und ein Hallenbad jedem Besucher offen. In der Flugsaison bietet der Sportflugplatz in Schameder mit Segel- und Motorflugzeugen eine gelungene Abwechslung. Wenn Sie Lust darauf haben, sich das eindrucksvolle Panorama aus der Luft anzusehen, können Sie gleich einen Rundflug buchen. Für den Wintersportler bietet Erndtebrück und seine Umgebung einmalige Voraussetzungen. Auf über rund 18 km gespurten Loipen ist ein Ausflug in die prachtvolle Winterlandschaft des Naturparks Rothaargebirge möglich. Erndtebrück ist immer einen Besuch wert! Im Winter laden die Pisten und Loipen in der Umgebung zum Skivergnügen oder zu ausgedehnten Skiwanderungen ein - im Frühling, Sommer und Herbst bietet unsere waldreiche Natur dem Wanderer einen erholsamen Aufenthalt und imposante Weit-Blicke. Dieser Bilderbogen soll Ihnen einen Eindruck von Erndtebrück und seiner waldreichen Umgebung vermitteln.


Willkommen am Standort Erndtebrück

Das Weißbuch und die verteidigungspolitischen Richtlinien beschreiben unter anderem den strategischen Rahmen für den Auftrag und die Aufgaben der Bundeswehr. Wichtiges nationales Ziel ist dabei, die Sicherheit im deutschen Luftraum permanent und uneingeschränkt gewährleisten zu können. Der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe ist wichtiger Bestandteil zur Bereitstellung dieser Befähigung. Mit zwei Einsatzführungsbereichen gilt es daher, im 24-Stunden-Betrieb durchgängig an 365 Tagen im Jahr, diesen Dauereinsatzauftrag im Verbund der integrierten NATO-Luftverteidigung zu garantieren. Zur Auftragserfüllung sind neben den vorhandenen Gefechtsständen insgesamt 18 militärische Radar- und Funkstationen über ganz Deutschland verteilt dauerhaft im Einsatz. Der Einsatzführungsbereich 2 in Erndtebrück ist einer der beiden genannten Bereiche zur Erfüllung.

nach oben


Einsatzführungsbereich 2 und die Bundeswehr

Erndtebrück hat eine militärische Geschichte, die schon in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurückreicht. Bereits 1931 wurde durch die Reichswehr auf dem Hachenberg eine Flugwache eingerichtet, die zunächst durch Freiwillige aus Erndtebrück und Umgebung betrieben wurde. Neben einer Melderose mit Beobachtungs- und Horchgrube entstand auch ein Blockhaus, das der Flugwache 33 später als Unterkunfts- und Ruhebereich diente. Im Jahre 1935 wurden die „Luftraumbeobachter“ als Soldaten der Reserve dienstverpflichtet und die Flugwache 33 dem Wehrbereichskommando Siegen unterstellt. Während des Krieges von 1939 an betrieben Soldaten der Luftnachrichtentruppe, die später durch Nachrichtenhelferinnen ersetzt wurden, die Flugwache 33. Aufgabe war es, anfliegende Flugzeuge sowie die Wetterverhältnisse an das Flugkommando in Gießen zu melden und die Erndtebrücker Bevölkerung vor überraschenden Luftangriffen zu warnen. Über zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Idee „Garnisonsgemeinde“ wieder aufgenommen. Die Bundeswehr war kaum ein paar Wochen alt, da legten einige Erndtebrücker Gemeindeväter in einer Ratssitzung einen außergewöhnlichen Vorschlag auf den Tisch: Erndtebrück sollte zu einer Garnison gemacht werden. Bei den Verhandlungen im Gemeinderat gab es teilweise erbittert geführte Debatten. Dem großen Engagement der Bevölkerung sowie dem unerbittlichen Nachsetzen des damaligen Amtsbürgermeisters, Heinrich Borghaus, war es dann zu verdanken, dass der Gemeinderat am 16. Februar 1957 schließlich einen entsprechenden Beschluss fasste. Am 31. März 1960 teilte der damalige Bundesminister für Verteidigung, Franz Josef Strauß, in einem Schreiben der Gemeinde mit, dass Erndtebrück Garnison der Bundeswehr werden sollte.

Im Juni 1961 begannen sodann die allgemeinen Baumaßnahmen. Auf dem Gelände der früheren Flugwache entstand nun eine Kasernenanlage der Luftwaffe, am Dille ein moderner Gefechtsführungsbunker, auf dem Ebschloh eine Radarstellung und auf dem Rammelsberg eine Funksende- und Empfangsanlage. Gleichzeitig wurde die Infrastruktur Erndtebrücks durch den Bau von Wohnungen und Straßen den späteren Erfordernissen angepasst. Mit einem Aufbaukommando unter der Führung von Oberleutnant Wolfgang Roth kamen im Oktober 1965 die ersten Soldaten nach Erndtebrück. Major Friedrich Thüring übernahm als erster Kommandeur auf dem Hachenberg am 09. Mai 1966 das Kommando über die neu aufgestellte II./FmRgt 33. Während der Verband Einsatzaufgaben im Rahmen der Luftverteidigung übernahm, wurden die hierfür benötigten Offiziere und Unteroffiziere noch an der Technischen Schule der Luftwaffe in Lechfeld ausgebildet. Zur Überwachung des Luftraums wurden nicht mehr nur „Auge und Ohr“ eingesetzt, sondern Großraumradargeräte und Gefechtsführungssysteme auf dem damals aktuellen Stand der Technik. Im Mai 1967 erhielt die Truppenunterkunft im Rahmen einer feierlichen militärischen Zeremonie den Namen „Hachenberg-Kaserne“. Im August 1967 konnte in der fertiggestellten und voll verbunkerten Luftwaffenkampfführungsanlage „Erich“ der Flugmeldebetrieb als nationaler Reporting Post im 8-Stunden-Dienst beginnen, der im April 1968 zum 24-Stunden-Dienst erweitert wurde. Das folgende Jahr stand schließlich ganz im Zeichen weiterer Bau- und Umrüstmaßnahmen, denn für das neue automatische Führungs- und Waffeneinsatzsystem NADGE musste die Infrastruktur im Bunker angepasst werden, ebenso wurde mit der Errichtung eines modernen Großraumradar auf dem Ebschloh begonnen. Am 01. September 1969 wurde schließlich zum ersten Mal die NATO-Flagge auf dem Hachenberg gehisst, denn mit dem Eintreffen von gut 100 Offizieren aus 9 NATO-Staaten zum ersten viermonatigen NADGE-Lehrgang wurde Erndtebrück zu einem internationalen Ausbildungsstandort.

nach oben


Der NATO-Stützpunkt

Erst Ende 1970 kreuzten sich in Erndtebrück die Wege der II. Abteilung und der damaligen V. Lehrgruppe der Technischen Schule der Luftwaffe. Nachdem im Sommer der nationale Ausbildungs-Gefechtsstand CONNY RADAR, der von der Lehrgruppe in Lechfeld betrieben wurde und in Pilotenkreisen einen ausgezeichneten Ruf besaß, seinen Betrieb einstellte, war für die praktische Ausbildung ein anderer Standort auszuwählen. Das freigewordene Personal sollte die Lücken des Einsatzpersonals in der noch jungen Erndtebrücker Luftverteidigungsstellung füllen. Die Hachenberg-Kaserne wurde ausgewählt, gleichzeitig neuer Standort der Lehrgruppe zu werden und die theoretische sowie praktische Ausbildung zu übernehmen. So kamen dann im Spätherbst 1970 die ersten Angehörigen der Lehrgruppe nach Erndtebrück. Am 04. Januar 1971 nahmen die beiden Grundausbildungseinheiten mit ihrer spezialisierten Ausbildung ihren Dienst auf. Im Juni 1971 war der Umzug der V. Lehrgruppe abgeschlossen und die meisten der bisher in Lechfeld laufenden Lehrgänge konnten jetzt in Erndtebrück durchgeführt werden. Am 01. August 1971 erfolgte die Auflösung der II. Abteilung des Fernmelderegimentes 33 durch die Verschmelzung mit der neu gegliederten V. Lehrgruppe. Mit dem Beginn der NADGE-Installation im Bunker und durch den gestiegenen Ausbildungsaufwand in Folge des Upgrades des sich in den Niederlanden, Belgien und zwei deutschen CRC (Brockzetel und Uedem) im Einsatz befindlichen Minimum-Facilities-Systems (MFS) auf NADGE-Standard (Growth-to-Full-NADGE, Abkürzung GFN), wurde die V. Lehrgruppe um die trinationale International Training Cell (ITC) erweitert. Damit unterstanden dem damaligen Lehrgruppenkommandeur des inzwischen in V. Lehrgruppe der Technischen Schule der Luftwaffe 2 (V./TSLw 2) umbenannten Verbandes, Oberstleutnant Dieter Franckenberg, auch dauerhaft Offiziere und Unteroffiziere aus Belgien und den Niederlanden. Lehrgangsteilnehmer aus beinahe allen NATO-Ländern kamen nun regelmäßig nach Erndtebrück, um hier eine Ausbildung an verschiedenen Waffensystemen zu erhalten. Die V. Lehrgruppe vereinigte seitdem Einsatz- und Ausbildungskomponenten unter einer Führung; ein vielseitiger Verband mit einem breiten Aufgabenspektrum. Der Name „Hachenberg-Kaserne“ wurde so allmählich zu einem Begriff weit über die Grenzen des Wittgensteiner Landes hinaus. Dazu hat unter anderem das stets gute Verhältnis zwischen den Erndtebrücker Bürgern und den Soldaten beigetragen, das durch die Verleihung des Fahnenbandes zur Truppenfahne am 30.09.1990 durch den damaligen Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Johannes Rau, besonders gewürdigt wurde. In der unmittelbar folgenden Phase der Wiedervereinigung wurde Erndtebrück als Standort eines nationalen Gefechtsstandes ausgewählt (Nationales Sector Operation Centre, NSOC). In Zusammenarbeit mit einem Gefechtsstand im brandenburgischen Fürstenwalde wurde ab dem 03. Oktober 1990 auch der Luftraum über den neuen Bundesländern überwacht. Realisiert wurde dies mithilfe der GEADGE-Ausbildungsanlage, sowie einem von der NVA entwickelten Darstellungssystem, das speziell für das NSOC ebenfalls kurzfristig in den Bunker „Erich“ eingerüstet worden war. Der Transfer der Alleinverantwortung an Schönewalde erfolgte am 05. Oktober 1992. Obwohl auch der Standort Erndtebrück durch die Auflösung der zwei Grundausbildungseinheiten zum 30. September 1993 von der im Zwei-plus-Vier-Vertrag vereinbarten Truppenreduzierung nicht verschont wurde, war die Bundeswehr immer noch einer der größten Arbeitgeber der Region. Als weitere Maßnahmen im Rahmen der Verkleinerung und Umstrukturierung der Luftwaffe folgten zum 01. April 1994 die Unterstellungsänderungen des Programmierzentrums der Luftwaffe für Luftverteidigung unter das Luftwaffenversorgungsregiment 8 in Mechernich und die Fusion der Technischen Schulen der Luftwaffe 1 und 2 zur TSLw 1 am Standort Kaufbeuren. Daraus resultierte auch die Umbenennung des Verbandes von V./TSLw 2 in V./TSLw 1. Nachdem im Bunker „Erich“ Brandschutzmängel festgestellt wurden, musste der Einsatz- und Ausbildungsbetrieb im August 1998 in Räumlichkeiten der Hachenberg-Kaserne und der Radargerätestellung verlagert werden. Das CRC konnte seinen NATO-Auftrag trotzdem weiterhin erfüllen. Das vom Programmierzentrum der Luftwaffe auf Basis eines NVA-Systems weiterentwickelte und mit handelsüblicher Soft- und Hardware kompatible Gefechtsführungssystem ARKONA ermöglichte einen kurzfristigen Umzug in ein ehemaliges Hörsaalgebäude.Am 01. Januar 2002 wurde das besagte Programmierzentrum der Luftwaffe für Luftverteidigung dem Luftwaffenversorgungsregiment 3 in Landsberg unterstellt. Das Regiment wurde dann am 01. April 2002 aufgelöst und als Waffensystemunterstützungszentrum ebenfalls in Landsberg aufgestellt. Die V. Lehrgruppe behielt ihren Namen bis zum 30. September 2004. Zum 01. Oktober 2004 wurde im Rahmen eines feierlichen Appells in der Erndtebrücker Hachenberg-Kaserne die V./Technische Schule der Luftwaffe 1 aufgelöst. Anschließend erfolgte die Neuaufstellung des neuen Einsatzführungsbereiches 2 durch den Kommandeur der 2. Luftwaffendivision, Generalmajor Friedrich Wilhelm Ploeger. Der Kommandeur der V./TSLw 1, Oberst Heinrich Groh, hatte das Kommando über den Verband zurückgegeben und anschließend das Kommando über den Einsatzführungsbereich 2 übernommen.


nach oben